Cocktailstab-Lichtphänomen

10.10.2018

Neulich im Flugzeug wurde zum Tomatensaft ein Cocktailstab gereicht. Vor das LED-Leselicht gehalten (eine Punktlichtquelle) entstand auf der Rückenlehne des vorderen Sitzes ein schönes Lichtmuster. Der durchsichtige Stab selbst warf einen dunklen Schatten und war von einem Lichtschein und einer hellen abgerundeten Kontur umgeben.

Deutungsversuch: Der Stab ist wie eine bikonkave Zerstreuungslinse gewölbt. Ganz nah gehalten, trifft das Licht nach dem Durchscheinen des transparenten Plastiks noch direkt dahinter auf die Rückenlehne. Aber schon bei ca. zwei Zentimetern Abstand wird alles Licht aus der Projektionsachse herausgebrochen und erzeugt ein Schattenbild des Stabes. Gleichzeitig erzeugt das gebrochene Licht eine breite Lichtkontur um den Schatten herum.

Am Rand entsteht eine stärker leuchtende Kontur, weil die äusseren Ränder des Cocktailstabes eine flachere Krümmung haben als die inneren Ränder des Stabes (er ist ja keine optische Linse). Dadurch wird das Licht beim Durchgang durch die äusseren Bereiche des Stabes weniger stark gebrochen als das Licht, das durch die stärker brechenden Innenbereiche strahlt. Diese verschieden stark gebrochenen Strahlen überlagern sich bei einem bestimmten Abstand und die Kontur wird heller. Im Mittelteil des Kopfes ist das Plastik wieder gerade, das Licht wird nicht gebrochen und ist als heller Fleck wie ein Nadelöhr sichtbar.

Mit Brillen zur Korrektur einer Kurzsichtigkeit kann man das gleiche Phänomen auch beobachten, wie in diesem Beitrag zu sehen.

Welche optischen Eigenschaften haben wohl das transparente Salatbesteck, die Glasvasen oder Gläser bei Ihnen zu Hause?

 

 

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